Aus Bequemlichkeit ein Halsband oder doch ein Führgeschirr?

Hier sollen mögliche gesundheitliche Schäden aufgezeigt werden, die durch ein Halsband oder ein schlecht sitzendes Brustgeschirr entstehen können.

Ein gut sitzendes Brustgeschirr drückt weder auf den Kehlkopf noch beeinträchtigt es den Hund in seiner Bewegungsfreiheit.

Da wir in mitteleuropäischen Ballungsgebieten wohnen, ist es unvermeidlich, dass unseren Hunden immer wieder etwas Interessantes begegnet, wie z.B. Jogger, Autos, Radfahrer, Menschen oder andere Tiere. Dadurch kann es passieren, dass der Hund in die Leine springt.

Auf vielen Hundesportplätzen und in vielen Hundeschulen wird der Leinenimpuls (Leinenruck) praktiziert.

 

Ob ein Ruck/Zug vom Hundeführer oder vom Hund selbst ausgelöst wird, hat auf die gesundheitlichen Folgen keinen Einfluss!

 

Was für Schäden können entstehen?

Schäden an der Wirbelsäule:

Schäden am Kehlkopf:

Schäden an der Schilddrüse:
Es können Quetschungen hervorgerufen werden. Folgen davon sind Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse. Erhöhte Aktivität oder Inaktivität sind das sichtbare Anzeichen dafür.

 

Schäden an der Luftröhre:
Durch den Zug entstehen innere Narben, welche oft Verengungen mit sich führen. Ebenso Chronische Entzündungen sind die Folge.

Schäden an der Lunge:
Lungenödem = Wasser in der Lunge – vor allem bei Welpen besteht diese Gefahr!Durch den Versuch einzuatmen, aber vom Halsband abgeschnürt, kommt es zum Unterdruck in den Alveolen = Lungenbläschen. Dadurch wird die Membran der Alveolen durchlässig und Wasser kann eindringen -> Lungenödem

Erhöhter Blutdruck:
Durch das Abschnüren der Blutzirkulation zum Gehirn meldet dieses „mehr Blutzufuhr“ da es unterversorgt ist. Deshalb erhöht der Körper den Blutdruck um die Blutversorgung des Gehirns gewährleisten zu können.
Ein erhöhter Blutdruck ist die häufigste Ursache von Schlaganfall – nicht nur beim Menschen!

Erhöhter Augeninnendruck:
Durch den Zug am Halsband erhöht sich der Augeninnendruck.
Folgen davon sind:

Aggressionsbereitschaft kann erhöht werden:
Hierzu muss man wissen, wie ein Hund lernt. Da er nicht sein Verhalten, sondern das Geschehen einer Situation zuordnet, lernt ein Hund sehr schnell, an der Leine aggressiv zu reagieren.
Ein Hund nähert sich z.B. einem anderen Hund, wird weggerissen, da der Hundeführer nicht möchte, dass er zu ihm hingeht. Der Hund meint, dass der andere Hund ihm den Schmerz am Hals zugeführt hat und wird bei einer nächsten Begegnung mit ihm versuchen ihn weg zu bellen, da es sonst wieder schmerzt. Der Hundeführer ist oftmals dem Irrglauben erlegen sein Hund sei aggressiv. Dieser möchte aber nur dem Schmerz ausweichen.
Hunde die von Welpenalter an ein gutes Brustgeschirr tragen, sind im Alter weniger mit Leinenaggressivität auffällig als Halsband tragende Hunde.

Veränderte Körpersprache:
Die Körpersprache wird durch das ruckartige Anheben des Halses und Vorderkörpers verstellt. Dadurch wirkt der Hund angriffsbereit.
Muskelverspannungen und Muskelverhärtungen verstärken eine unkorrekte Körpersprache.

Es gibt zwei Gründe, die für ein Halsband sprechen:
1. Angst, der Leinenimpuls könne nicht richtig wirken.
2. Angst davor, die Kontrolle über den Kopf des Hundes zu verlieren.
…über Beides sollte man genau nachdenken!!!

Zitat: Dr. Ute Blaschke-Berthold


Kleine Anmerkungen:

 

© Siw Heiniger, CH 8636 Wald
Dieser Flyer entstand in der Trainerausbildung von Turid Rugaas 2008
Literaturnachweis:
Grundriss der speziellen pathologischen Anatomie der Haustiere, Enke-Verlag.
Rückenprobleme beim Hund von Anders Hallgren, Verlag Animal-Learn.
Augeninnendruck: Pauli, AM. Bentley, E. Diehl, KAand. Miller, PE - Effects of the application of neckpressure by a collar or harress on introacular in dogs, J AMAnuimHospAssoc 42:3, 207-11 (2006)